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Interview mit Jochen Schepanski

September 2011

Das nachfolgende Interview wurde uns freundlicherweise von der SG Blaubach-Diedelkopf zur Verfügung gestellt. Es war in der "SG Kicker Aktuell", der Stadionzeitung der SG abgedruckt.

Jochen, mit Ausnahme von ein paar Jährchen bei anderen Vereinen, zählst du, seit deiner Rückkehr 2008, nach dem erneuten Aderlass eigentlich zu den Urgesteinen hier im Verein. Wie fühlt man sich als ältester Spieler unter soviel jungen Spielern.

Jochen: In der Tat war die Fluktuation speziell nach den beiden vergangenen Spielzeiten enorm hoch. Solange auch zukünftig alle mit Spaß an der Sache am gemeinsamen Ziel mitarbeiten, ist der Altersunterschied jedoch nur zweitrangig.

Die letzte Saison war sehr aufregend und hat Nerven gekostet. Wird man diese Saison wieder zittern müssen, da in der Sommer Transferperiode erneut einige Stammkräfte den Verein verlassen haben? Vor allem die komplette Abwehr ist abgewandert.

Jochen: Aufgrund unserer ohnehin schon sehr engen und nochmals stark verjüngten Personalstruktur, wollen wir versuchen, in den Spielen gegen unsere unmittelbare Konkurrenz zu bestehen und darin den Grundstein für den Klassenerhalt zu legen. Mit Sicherheit werden wir auch in der ein oder anderen Partie gegen qualitativ besser aufgestellte Gegner noch einiges an Lehrgeld zahlen müssen. Dennoch hoffe ich, dass sich unsere neu aufgestellte Mannschaft schnell in der Klasse zurechtfindet und somit das Ziel Klassenerhalt erreichen kann.

Wenn man die Wege der gewechselten Spieler verfolgt und dann feststellen muss, das kein einziger Spieler den Weg in die obere Liga gesucht hat, im Gegenteil einige traten sogar den Gang in die Kreisliga an. Kannst du deine ehemaligen Kollegen verstehen oder Argumente nennen weshalb es dazu kam?

Jochen: Generell muss man die Entscheidung eines jeden Einzelnen respektieren, da sich sicher jeder auch seine entsprechenden Gedanken über den Schritt eines Vereinswechsels im Vorfeld gemacht haben wird. Besonders bedauernswert finde ich dabei jedoch die Abgänge von unseren jungen Dominik Heyd oder auch Leutrim Kadrya, welche sich insbesondere nach der starken vergangenen Rückrunde zu absoluten Leistungsträgern in unserem Team entwickelt hatten. Persönlich genauso schade, jedoch aus meiner Sicht deutlich nachvollziehbarer, habe ich die übrigen Abgänge registriert. Hier liegt es an der Führung sowohl innerhalb unseres Vereins, als auch innerhalb der jeweiligen Mannschaften, den Spaßfaktor durch gemeinsame Aktionen wieder zu fördern und somit auch die Attraktivität unseres Vereins trotz unserer bescheidenen Mittel wieder zu steigern.

Dein Verbleib beim Verein in allen Ehren, aber du hast ja mit Sicherheit auch mitbekommen das einige Spieler nach der vergangenen Saison ihre Zukunft bei anderen Vereinen fortsetzen. Dennoch hast du dich entschieden deinen Weg hier weiter zu gehen. Was waren deine Gründe dem Verein nicht den Rücken zu kehren, zumal die letzte Saison nicht besonders verlief?

Jochen: Zunächst einmal hatten wir bereits in den vergangenen 3 Jahren sehr viel Spaß zusammen und konnten nicht zuletzt auch unsere jeweiligen Saisonziele immer erreichen, so dass mir die Entscheidung für einen weiteren Verbleib nicht wirklich schwer gefallen war. Auch wenn sich der Verein in der jüngeren Vergangenheit nicht immer optimal nach außen hin präsentiert, so bin ich guter Dinge, dass mit dem nun vorhandenen frischen Wind auf der Trainerposition ein erster Schritt in die richtige Richtung getan wurde, welcher sich auf lange Sicht auch wieder positiv auf die Kaderstruktur auswirken wird. Sehr bedauerlich und bedenklich im Rahmen der Kaderplanungen finde ich vielmehr die zunehmend fehlende Verbindlichkeit von Seiten einiger Spieler, welche sich zum Teil bis kurz vor Wechselfrist alle Optionen nach allen Seiten offen halten wollen und somit Planungen aller Vereine zunehmend erschweren.

Nach dem Rauswurf von Werner Mörsdorf schien die Mannschaft “befreit”. Von Aussen hat man ja keinen Einblick in die Mannschaft, aber man hatte den Eindruck das es zwischen der Mannschaft und dem Trainer nicht mehr stimmt. Trügt der Schein oder gab es tatsächlich Mißverständnisse. Wenn ja erklärt sich dann auch die damit verbundene Talfahrt oder gab es hierfür andere Gründe?

Jochen: Bis zur Entlassung von Werner Mörsdorf hatten wir im Rahmen des für den Verein Möglichen zweieinhalb sehr erfolgreiche Jahre mit Endplatzierungen auf Tabellenplatz 8 und 9. Sicher verlief die Hinrunde 2010/2011 rein ergebnisorientiert nicht zu unserer Zufriedenheit. Aus spielerischer Sicht zeigte sich unsere Mannschaft jedoch auch zu dieser Zeit bereits weiterentwickelt, hatte jedoch in personeller Hinsicht im Verlaufe der Spielzeit einige Ausfälle zu verkraften. Im Endeffekt hatte man mit der Entlassung aus meiner Sicht vorschnell gehandelt. Sonst hätte man sich bei der Suche nach einer Interimslösung nicht derart schwer tun und die Augen bis ins 70km entfernte Saarbrücken richten müssen.

Nach Werner Mörsdorf folgte Timo Gotthardt. Aus den Medien war zu entnehmen das das Verhältnis zwischen dir und Timo nicht das beste sei, zumal er dich ja auch öffentlich kritisiert hatte. Du hast das ganze sehr profesionell gelöst und hast die Kritik schnell durch Tore verstummen lassen. Sahst du in der Kritik eher einen Ansporn, denn damit hätte Timo ja sein Ziel erreicht, oder befandest du es eher als Beleidigung, dich in der Öffentlichkeit als Sündenbock dazustellen, der Schuld war an der mißlichen Lage der SG in der Verbandsliga?

Jochen: Timo und ich hatten während seiner Anwesenheit in Blaubach zwischenmenschlich keinerlei Probleme. Unsere Ansichten im sportlichen Bereich waren nicht immer deckungsgleich und Timo war es wichtig, in solchen Fällen auch aus dem Kreise der Mannschaft darauf hingewiesen zu werden. Im Endeffekt haben wir gemeinsam die Klasse halten können und konnten somit die Saison für uns positiv beenden.

Timo wurde am Ende der Klassenerhalt zugeschrieben. Wieviel Anteil hatte Timo als Retter?

Jochen: Genau wie Timo, haben die gesamte Mannschaft, unsere Betreuer sowie auch unser Ex-Coach Werner Mörsdorf Ihren Anteil am Klassenerhalt. Wichtig war, dass wir uns im Verlaufe der Rückserie der Abstiegsgefahr bewusst wurden und alle wieder an einem Strang gezogen hatten. Die ersten positiven Ergebnisse beflügelten schliesslich unser verlorengegangenes Selbstvertrauen und wir spielten wieder zielstrebiger und schlussendlich auch erfolgreicher.

Mit Stefan Schehl besetzt ein weiterer ehemaliger Bundesliga Profi (vorher Mörsdorf) die Trainerbank der SG. Im Gegensatz zum erfahrenen Oberligatrainer Werner Mörsdorf, trainierte Stefan meist Bezirksligisten. Siehst du darin einen Nachteil?

Jochen: Nein, denn auch mit diesen Vereinen hat er einige Aufstiege vorzuweisen und wird aus seiner langjährigen Erfahrung als Spieler wissen, worauf es ankommt. Hinzu kommt, dass der Verein mit Stefan auch wieder einen Trainer gewinnen konnte, der neben seinen Verpflichtungen als Aktiven-Trainer auch die Abstimmung mit den älteren Juniorenteams pflegt und im Sinne des Vereins langfristig an die Sache herangeht.

Welchen Eindruck hat Stefan in der kurzen Zeit auf dich hinterlassen, bzw. auf die Mannschaft?

Jochen: Es ist schwer, schon nach so kurzer Zeit ein Urteil zu fällen. Wir haben in Anbetracht der dünnen Personaldecke bislang eine hervorragende Trainingsbeteiligung, was sicherlich dafür spricht, dass die Mannschaft die akribische und bislang sehr geduldige Arbeit des Trainers honoriert. Er redet viel mit allen Spielern und arbeitet mit uns intensiv daran, Spielzüge und Laufwege zu automatisieren und somit auch speziell unsere zahlreichen Neuzugänge zu integrieren.

Neben Kapitän Matthias Schmitt gehörst du zum verlängerten Arm des Trainers. Was verlangt Stefan von euch auf und neben dem Platz als Führungsspieler und berät er sich mit euch auch in Sachen Strategie und Aufstellung?

Jochen: Er möchte vor allem, dass wir uns auf dem Platz gegenseitig besser unterstützen, d.h., dass mehr miteinander gesprochen wird. Hierbei sieht er uns, wie auch Sebastian Koch, Patrick Scheidt oder unseren Torwart in besonderer Verantwortung. Und natürlich bezieht er uns hin und wieder auch in seine Überlegungen hinsichtlich unserer Spiele ein.

Aufgrund des Ausfalls von Matthias Schmitt hast du eine neue Rolle zugeteilt bekommen. Nämlich Abwehrchef. Wie fühlst du dich in der Rolle, zumal es einem als Stürmer doch schon im Fuß jucken muß unbedingt ein Tor machen zu müssen?

Jochen: Ich sehe mich hier im Moment noch eher in der Rolle des Abwehr-Azubis, denn als Abwehr-Chef und bin froh, wenn mich mein jeweiliger Innenverteidiger-Kollege während des Spiels unterstützt. Die Position ist zwar eine gewaltige Umstellung, macht aber ansonsten (fast) genauso viel Spaß wie im Sturmzentrum.

Was passiert wenn Matthias fit ist. Liegt da eine Absprache vor ob du dann wieder ins Sturmzentrum rutschst oder ob er weiter mit dir als Innenverteidiger plant, da du die Rolle gegen Finthen sehr gut interpretiert hast?

Jochen: Eine Absprache ist hier noch nicht getroffen. Das wird sicherlich auch davon abhängig sein, wie wir im Rest des Teams aufgestellt sind oder ob uns in einzelnen Mannschaftsteilen gegebenenfalls Alternativen fehlen.

Abschliessende Frage: Die Saison ist zwar noch jung, aber dennoch die Frage, wo denkst du findet sich die SG am Ende der Saison wieder?

Jochen: Hoffentlich auf einem Tabellenplatz, der uns dazu berechtigt, auch in der kommenden Saison Verbandsliga zu spielen!